Rezensionen
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In der Kalenderwoche 3 stand, neben einigen Pflegen und kleineren Fällungen, eine eindrucksvolle Fällung auf dem Programm: In Glienicke/Nordbahn, am nördlichen Ende Berlins, musste ein Spitzahorn (Acer Platanoides) mit etwa 5 Meter Stammumfang weichen. Einen Baum wie diesen sieht man, geschweige denn fällt man selbst als langjähriger Kletterer nicht alle Tage. Zum Vergleich: Viele Naturdenkmäler – wie etwa der Spitzahorn beim Kapellchen an der Nohner Mühle (2,8 Meter Umfang) – liegen deutlich unter diesem Stammumfang.
Bevor ich zur technischen Seite der Fällung komme, will ich aus baumpflegerischer Sicht noch einige Worte verlieren. Für mich als Kletterer ist so eine Fällung auf der einen Seite eine traurige Sache. Dieser Baum stand sicher weit über hundert Jahre an seinem Standort. Wenn eine Fällung genehmigt ist, führt man sie als Baumdienst aus. Wenn man es nicht macht, macht es eben ein anderer Baumdienst. Im besten Fall kann man dem Kunden ins Gewissen reden, eine Einkürzung oder Pflege, eine Kronensicherung oder dergleichen vorzuziehen. Aber wirklich verhindern kann eine Fällung eben nur die zuständige Behörde. Die hat – zumindest in meiner Wahrnehmung – einen immensen Ermessensspielraum. Und manchmal wäre zu wünschen, dass dieser mehr zugunsten gerader alter Baumveteranen genutzt würde.
Ist so eine Fällung moralisch eher unangenehm, so ist sie von der technischen Seite her für Kletterer außerordentlich aufregend, wenn auch anstrengend. Man muss wirklich überlegen, wie man die einzelnen Arbeitsschritte legt, wie man Seil- und Riggingpunkte setzt und welche Lasten man wie abseilt. Und man darf den Arbeitsablauf unten am Boden nicht vergessen: Es bringt nichts, Tonnen aus dem Baum zu schneiden, die dann unaufgeräumt rumliegen. Vom Klettern übers Schneiden bis zum Aufsägen und Häckseln muss ein Arbeitsfluss gewährleistet sein. Eine Art Puzzle also und dementsprechend technisch gesehen eine wahre Freude.
Im Falle des 5-Meter-Ahorns aus Glienicke kam dazu: Der Riese ragte weit ausladend über insgesamt drei Grundstücke, mehrere Gartenhäuser, Schuppen, Zäune und ein Wohnhaus. Kurz gesagt: Jeder Teilbereich des Baumes musste abgetragen und gezielt abgelassen werden. Technik wie eine Hebebühne passte nicht durch die Einfahrt, für einen Kran war die Distanz zu weit. Also kam nur eine klassische Kletterfällung mit Schwerlast-Rigging in Betracht.
Beide Kletterer arbeiteten gleichzeitig im Baum, wir hatten zwei Rigging-Punkte, zwei Rigging-Seile, die wechseln an einem Rigging-Poller von einem Rigger bedient wurden. Zwei weitere Bodenmänner kümmerten sich um das Abräumen des Schnittguts. Nur das oberste Kronenteil konnte dabei mit relativ kleinen Tophandle-Sägen (in meinem Fall einer Stihl MS 201 TC-M) abgetragen werden. Schon ab etwa 15 Metern Höhe hatten die Kronenausläufer eine Dicke, die starke Sägen (Stihl 500i) erforderlich machten. Auf Dauer bei 6 Stunden im Baum ein immenser Kraftaufwand für die Kletterer.
Die Hauptschwierigkeit aber waren die diversen Gebäudeteile unter dem Baum. Da kein Kran vorhanden war, musste also (verhältnismäßig) kleinteilig gearbeitet werden. Mit Geduld aber ging alles gut. Mit insgesamt vier bis 5 Personen pro Tag dauerte die Fällung drei Tage, mit einem Regentag in der Mitte. Schadensfrei, mit Abfuhr des Astguts und unter Verbleib vieler, vieler Tonnen aufgesägtem Stammholz.